Künstlerhaus Dortmund
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wirklich. wirklich.

Spielarten der Realität

7. März bis 12. April 2015

Kuratorenführung und Künstlergespräch am Freitag, den 27. März um 18 Uhr 



Die Ausstellung beschreibt Spielarten des Erlebens als verschiedene Wirklichkeiten mit gleichwertigem Realitätsanspruch. Die parallele Existenz von biomorphen Strukturen, transitorischen Filmmontagen, doppelbödigen Textilarbeiten, hellen Blitzen im Wald, dem Ozean als Metapher und viele andere künstlerische Sichtweisen mehr lassen das, was wir Wirklichkeit nennen, als höchstpersönliche Erzählung erscheinen. Die Arbeiten der Ausstellung wirklich wirklich variieren die Themen Traum, Täuschung und Objektivität.


Eröffnung am 6.3.2015


Teilnehmende KünstlerInnen:

Wiebke Bartsch (Münster)
Rachel Granofsky (Montreal)
Gertrud Neuhaus (Münster)
Eliane Paulino (Düsseldorf)
Evariste Richer (Paris)
Stephan Sachs (Kiel)
Shadman Shahid (Dhaka)



Wiebke Bartsch (Münster)


Meer, 2010, Installation 300 x 150 x 200 cm

Keine Idylle. Nirgends. In der Kunst von Wiebke Bartsch geht es um Alltägliches, was sich auch in der Materialwahl widerspiegelt (…) Aber es ist keineswegs eine alltägliche Kunst. Als ich zum ersten Mal Arbeiten von Wiebke Bartsch gesehen habe, musste ich lachen – sie sind lustig und spielerisch (auch im Wortsinne: man möchte ihre Skulpturen anfassen und mit ihnen spielen), ohne jedoch verspielt zu sein, sie sind kindlich, ohne je kindisch zu werden. Mit dem Lachen fängt sie uns ein, um uns dann die Abgründe des Alltags zu zeigen. Allen Arbeiten gemein ist eine, man wagt es kaum zu sagen, sehr starke Aura, der man sich kaum entziehen kann. Sie fordern den Betrachter sehr deutlich auf, sich auseinanderzusetzen und Stellung zu beziehen. Dabei arbeitet Wiebke Bartsch oft mit einer Komik und auch einem Niedlichkeitsfaktor, der uns erst einmal so anzieht, bis wir uns nicht mehr entziehen können und dann feststellen, dass sich eigentlich in fast allen Arbeiten Abgründe auftun.(…) Ihre Arbeiten sind keineswegs hermetisch, sondern erscheinen zunächst sehr leicht zugänglich: Aber wer sich wirklich ernsthaft einlässt auf sie, wird danach den Alltag mit anderen Augen betrachten. Und doch und vor allem: Bei aller Ernsthaftigkeit lösen Wiebke Bartschs Werke Glücksgefühle aus, auch, weil man die Lust und das Vergnügen spürt, mit denen sie gemacht sind. (Wilhelm Werthern)



Rachel Granofsky (Boston)


beans, bed & the body, aus der Serie phantom limbs, Fotografie, 102 x 76 cm

Ich rearrangiere Interieurs für den festen Blickwinkel des Kameraobjektivs, um die Wahrnehmungsroutine zu umgehen. Durch subjektive Interventionen wird das Alltägliche zur paranormalen Landschaft. Unter Verwendung von Trompe-l'Œil-Techniken male ich direkt auf die Oberfläche uns vertrauter Objekte und ihrer Umgebung um die Unterscheidung von Vor- und Hintergrund zu verwischen, was der Zweidimensionalität des finalen Fotodrucks entspricht. Pinselstriche, geklebte Nähte und unregelmäßige Kanten werden scharf fokussiert, wodurch der taktile Prozess der Bildgestaltung offengelegt wird. Indem auf digitale Manipulation verzichtet wird, verstärkt jede Unstetigkeit, jeder Fehler und jede Abweichung den Eindruck der gewagten Konstruktion des Bildraumes. Wie in einem Spiel im Spiel nimmt jede Fotoarbeit Bezug auf ihre eigene Struktur und parodiert so die inhärente Doppelung von Fotografie im allgemeinen, und verdeutlicht die subtile Irreführung, die dem Medium innewohnt. Die seichte Oberfläche des Fotoprints and die Fragementierung der einzelnen Aufnahme sind übertrieben, um die Grenzen ihrer Abkapselung zu betonen, während auf das angespielt wird, was ausgeklammert wurde. Durch die Erforschung dessen, was weggelassen wurde, wird das Vorhandene zu einer geisterhaften Erscheinung, die sich einer kompletten Erfassung entzieht. rachelgranofsky.com



Gertrud Neuhaus (Münster)


In einem unbekannten Heim., Installationsansicht Künstlerhaus Dortmund, 2015

Gertrud Neuhaus arbeitet mit Material, das sie findet, Möbel, Stoffe, Gegenstände, Waren und Produkte des alltäglichen Gebrauchs. Aus solchen Repertoire leitet sie meist ortsbezogene Installationen her. Die Rauminstallationen sind formal und farblich durchkomponierte, begehbare Bilder, die darauf abzielen, dass sich der Besucher durch sie hindurch bewegt und dabei das Zusammenspiel ihrer wiederkehrenden Formen und Farben beobachtet. Durch feines, oft minimales Manipulieren der Objekte verändert sich auch die Wahrnehmung von realen Gegenständen sowie im Ausstellungsraum Vorgefundenem. www.gertrudneuhaus.de



Eliane Paulino (Düsseldorf)


Nymphe, Fotografie, 2014

Eliane Paulinos Bildserien lassen bereits im Titel erkennen, dass sie ihre Kunst in die Nähe biologischer Prozesse rückt: biomorphia, simulated evolution. Häufig benutzt sie Material, das der Palette der Kunststoffprodukte entstammt, um gleichsam aus dem Wohlstandmaterial eine künstlerische Schöpfung parallel zur Natur zu betreiben. Die vielfältigen Wirkungen zwischen den sich letztlich aus evolutionsbiologischen Ansätzen speisenden Vorbildern und dem Eigenleben der Schöpfungen der Künstlerin erhellen unser Verhältnis zur Natur als ein mittlerweilen artifiziell geprägtes. Dem Material an sich, das in der Realität lediglich als Problemmüll weiterexistiert, lauscht sie organisches Verhalten und eine ungeahnte, fast natürliche Formenvielfalt ab und macht Leben und Sterben im Wortsinne "plastisch" erfahrbar. www.elianepaulino.com



Evariste Richer (Paris)


Le Mètre lunaire, engraved copper, 27,27 x 1 x 1 cm, 2012

Viele Arbeiten von Evariste Richer thematisieren übliche Instrumente oder Werkzeuge mit genormten Maßeinteilungen, bzw. Skalen zur Vermessung unserer Welt. Einheitliche Daten zu Längen, Raumausdehnungen, Gewichte, Temperaturen und Prozesse in der Zeit machen Phänome in Raum und Zeit vergleich- und kalkulierbar. All diese Vereinbarungen zu den Normen sind jeweils irgendwann in der Vergangenheit aufgrund unterschiedlicher Zusammenhänge festgelegt worden, um eine allgemein gültige Objektivität garantieren zu können. Bei Richers Arbeiten werden diese Vereinbarungen jedoch subversiv unterlaufen. Er gibt uns eine bildliche Vorstellung davon, dass die rational beschriebene Realität der angewandten Naturwissenschaften letztlich auch auf der Grundlage erfundener Konventionen und Darstellungen entwickelt wurde.



Stephan Sachs (Kiel)


Translating The Blue, Film, 72 min, 2014, Abb.: Standbild

“Translating The Blue” - Ein Filmessay um Kunst und Wissenschaft.
Ausgehend von Bildern, die auf einer Forschungsfahrt im Südatlantik entstanden, untersucht der Film die unterschiedlichen Formen der Annäherung an die Wirklichkeit. Modelle, Versuche der Übersetzung, auch eben der poetischen, sind ein zentrales Thema des Films. Der Hauptprotagonist ist das Meer, der Ozean. Er ist in den unterschiedlichsten Erscheinungsformen ständig präsent, in Bild und Ton.
www.stephansachs.de



Shadman Shahid (Dhaka)


aus der Fotoserie A journey within

A Journey within:
Die Suche nach dem Selbst ist endlos, und die Welt im Innern ist kalt und finster. Während meiner Reisen bin ich meist einsam und verloren. Doch manchmal treffe ich Wesen. Sie sagen, sie seien ich, ein Teil von mir. Von Dir und von jedem anderen. shadmanwdna.wix.com/shadmanshahid



Konzept und Organisation: Horst Herz, Rona Rangsch, Maria Schleiner, Peter Schmieder, Jens Sundheim und Elly Valk-Verheijen
Abbildungen Werke ©: die KünstlerInnen
Fotos Eröffnung ©: Jens Sundheim

Freundlich unterstützt durch:
Kulturbüro Dortmund, Sparkasse Dortmund, DEW 21