Die Ausstellung „Aggregatzustand“ im Künstlerhaus Dortmund zeigt fünf Positionen, die nur kurz betrachtet sehr unverwandt erscheinen: Die KünstlerInnen verwenden verschiedene Medien, benutzen unterschiedliches Material, sprechen andere Bildsprachen. Und doch gibt es einen Schwebezustand, das Schwanken zwischen Raum und Körper, der Wechsel zwischen flüchtigem Moment und Innehalten, das Hinüberschreiten in einen anderen Zustand. Die Ausstellung hat mit Energie zu tun: Ladung, Verwendung und Zusammenhang sind unterschiedlich. „Aggregatzustand“ versucht jenseits einer thematischen Ausstellung mit Verwandtschaften umzugehen; Potenziale und Eigenschaften der Einzelpositionen dafür zu nutzen. Das Prinzip Aggregatzustand ist somit auch das kuratorische Anliegen.

Eröffnung

Onno Dirker und Christian van der Kooy

Der Film ist eine Dokumentation ihres Werks/Tageslicht Feuerwerks zur Eröffnung eines neuen Theaters in Den Haag am Hafen. Eine zeremonielle Performance um die bösen Geister zu vertreiben.
Christian van der Kooy (1983 Goes, Fotograf und Künstler) und Onno Dirker (1965 Rotterdam, Künstler) arbeiten regelmäßig an Projekten in denen sie die Nutzung und die Gestaltung des Öffentlichen Raumes im weitesten Sinne untersuchen.
Das Erfassen, Analysieren und Illustrieren von Realität in einen neuen Kontext ist das Leitmotiv in ihrer Arbeit. Jede Landschaft setzt sich aus einer Vielzahl von Schichten zusammen, ob sie kulturell oder wirtschaftlich, physisch oder metaphysisch sind. Ein Gespür für Orte liegt im Zentrum ihrer Arbeit. Ihr ständig wachsendes Werkverzeichnis beinhaltet Konzepte, Filme und Sound-Landschaften.

Elisabeth Heil

Die Arbeiten von Elisabeth Heil verorten sich an der Schnittstelle zwischen Performance und Installation/Objekt. Ihre Performances entwickelt sie häufig in Kollaboration bzw. im engen Austausch mit anderen Künstlern und Akteuren.
Die Performance COMPETITIVE EVALUATION (2013) hat den Charakter einer explorativen Studie. Die Künstlerin fordert AkteurInnen zum Wettkampf heraus. Im Kräftemessen wird die Leistung einzelner Gegenspieler evaluiert und festgehalten.
XXL (2013) hingegen ist eine bewegliche Struktur, die als Exoskelett den Körper eines Akteurs erweitert, modifiziert und ihn zum Cyborg macht. In der Interaktion mit XXL kommt es zu einem Shift vom Akteur hin zum Bauteil bzw. Bestanteil von XXL.
Gesellschaftliche Strukturen und gesellschaftliche Verhaltensmuster und -normen, sowie die darin eingeschriebenen Mechanismen dienen den Arbeiten als Resonanzraum, da sie die lebenslang eingeschriebenen Formatierungen aufgreifen und konvertieren.

Fee Kleiß

Seit Jahren lotet sie eine innerliche Welt der fiktiven Botanik aus, ungesehene und doch vertraute Taxa, mal begehbare, mal umschreitbare Landschaftsaufnahmen von Bestäubung, Heliotropismus, Kleistokarpie1 und die stets beliebte Photosynthese, die ja nie fehlen darf [...] Hier kommt die gesamte Pflanzenmorphologie – Blatt und Blüte, Frucht und Wurzel – in den Genuss einer behutsamen Aufmerksamkeit, ebenso strange wie zart. (Zoë Claire Miller)

Fabian Nehm

Die genaue Beobachtung seiner unmittelbaren, alltäglichen Umwelt mit allen ihren Details, Eigenarten und Kuriositäten ist der Ausgangspunkt für Fabian Nehms (geb. 1990) künstlerische Arbeit. Ob es um das Erscheinungsbild von Minigolfvereinen, das Wechselkurssystem von Währungen, das Schweben einer Wolke oder die Bilder mit Sonnenblumen von Vincent van Gogh geht – all diese Phänomene werden von Fabian Nehm analysiert und in einer ganz eigenen, individuellen Form nachgeahmt. Die Intention: Durch das Nachmachen die unterschiedlichsten Dinge dieser Welt verstehen und begreifen. (Dr. Anne Schloen)

Becker Schmitz

Wenn er mit plastischen Mitteln arbeitet, behandelt Becker Schmitz den Raum auf eigentümlicher Weise. Mit einfachsten Materialien – gefundene Holzlatten, Klebeband –, baut er dynamische Strukturen, die er zwischen Wänden und Decken einklemmt, oder aber er füllt den Saal mit aufblasbaren, sperrigen Modulen, die zu einer Überprüfung der klassischen Raumwahrnehmung zwingen. Seine minimalen aber obsessiven Setzungen greifen auf eine invasive Strategie zurück, die die Eigenschaften des Raumes gleichzeitig unterstreicht und – weil sie so penetrant sind zum verschwinden bringt. (Emmanuel Mir)