"Art, if you want a definition of it, is criminal action. It conforms to no rules. Not even its own. Anyone who experiences a work of art is as guilty as the artist. It is not a question of sharing the guilt. Each one of us gets all of it." (John Cage, Diary: Audience, 1966)

"Die Polizei bittet um sachdienliche Hinweise." – Diese Aufforderung ist sicher die erste Assoziation, die sich beim Titel der Ausstellung einstellt. Es geht offenbar um die Mithilfe zur Aufklärung eines Tathergangs. Auch bei der Begegnung mit einer künstlerischen Arbeit sind wir aufgefordert selbst ähnliche Angaben zu "Täter", "Tatort" und "Tatmotiv" zu sammeln – hier sind es die Details zu Künstler, Werk und Bildmotiv. Wir finden rätselhafte Hinweise und Spuren, wir folgen Indizien, sammeln und interpretieren Fakten. Einiges scheint geeignet zu sein glaubwürdige Zusammenhänge erkennbar werden zu lassen. Durch unsere Fahndung entsteht mit der Zeit ein mögliches Gesamtbild. Dieses ist aber mit dem "Tatort" selbst (also mit dem eigentlichen Werk) nicht zu verwechseln, sondern es wird erst von uns als Fahnder entwickelt. Offenbar bemühen sich aber die Künstler als Täter darum, allzu deutlich lesbare Spuren zu verwischen, um eine Wahrheitsfindung zu erschweren. Eine lückenlose Aufklärung – die Wahrheit und nichts als die Wahrheit – ist zwar anvisiert; sie ist jedoch letztendlich nicht erreichbar: Ein unaufgeklärter Rest vom Rätsel über Sinn und Bedeutung bleibt weiter erhalten. Der "Tatort" (das Werk) soll ja wiederholt aufgesucht werden. Aber auch die Täter kehren ja bekanntermaßen zwanghaft zum Tatort zurück – wir haben die Chance, sie dort zu stellen.
Die in der Ausstellung versammelten Arbeiten sind ausgesuchte Beispiele für die Qualität von bildender Kunst, die uns bei der lustvollen Suche nach neuen Erkenntnissen herausfordern.

Eröffnung

Anneke Dunkhase / Annette Bohn

Seit Juni 2009 arbeiten die Künstlerinnen an gemeinsamen Projekten. Ihr Arbeitsschwerpunkt sind multimediale Installationen zwischen Imagination und Sammlung, sowie Dokumentation und Intervention. Als Ausgangspunkt dient dabei immer der jeweilige Raum, der untersucht und bespielt wird. Entscheidend für die Kooperation ist das Prinzip des Dialogs, das nicht nur das methodische Verfahren darstellt, sondern sich auch in der Präsentation der Arbeiten wieder findet. Das dialogische Prinzip von Eigendynamik und Wachstum bezieht den Betrachter mit ein. Dieser wird durch seine eigenen Spekulationen über Sinn und Zusammenhang auch selbst Gegenstand der Betrachtung.

Satomi Edo

Die Arbeit der Künstlerin erinnert an ein Tagebuch. Sie sammelt Erlebnisse, Gefühle und auch Gegenstände, die sie mit bestimmten Ereignissen verbindet. Diese werden in die Arbeit eingebaut oder besser noch: diese Bestandteile bauen damit die Arbeit auf. Es ist ein prozesshaftes  Arbeiten, während dessen die Künstlerin völlig in ihre eigene Arbeitswelt eintaucht. Obwohl die Arbeiten, für die verschiedene Medien wie Installation, Video, Druckgraphik und Skulptur einsetzt werden, stets sehr persönliche Themen behandeln, haben sie doch eine gewisse Allgemeingültigkeit.

Isabel Glapa

Das Werk von Isabel Glapa erobert leere Räume, durch Beobachtung von unfreiwilligen Performances oder durch organisierte Installation von Geräusch, Bild und Malerei.

Basir Mahmood

Mahmood beschäftigt sich mit Situationen, die ihn umgeben. Er spürt den verborgenen sozialen und historischen Inhalten nach, die sich im Alltag, aber auch in seinem eigene Umfeld befinden. Der Künstler benutzt Video, Film oder Fotografie, um aus den Erzählfäden ein Geflecht aus Gedanken, Entdeckungen und Erkenntnissen zu bilden. Dabei entstehen poetische Sequenzen und verschiedene Erzählformen.

Laura Schimmel

In ihren Arbeiten verbindet die Künstlerin zahlreiche Gegensätze wie Nähe-Ferne, Einsicht-Sichtschutz, Transparenz-Opazität, das Schöne und Bedrohliche, ohne sich auf eine allgemeingültige Aussage festzulegen.

Antje Seeger

Das Interesse der Künstlerin liegt in der Auseinandersetzung mit den Grenzen zwischen Realität und Fiktion und dabei mit jenen Bereichen, in denen beide Entitäten nicht mehr eindeutig voneinander zu trennen sind. Konkret sind das Momente, wo sich Fiktionen in Realität auflösen und dadurch spezifische Sichtweisen und Handlungskonventionen erzeugen. Einen Schwerpunkt ihrer Arbeit bilden Objekte und Installationen aus alltäglichen Gegenständen, die durch minimale Eingriffe aus ihrem herkömmlichen Kontext heraus gelöst werden und so neue Sichtweisen ermöglichen. Dabei knüpft die Künstlerin an die Ideen und Strategien der Konzeptkunst an.