"gute aussichten" wird volljährig! Im achtzehnten Jahr seines Bestehens ist der renommierte Nachwuchspreis mit den Arbeiten der acht Preisträger:innen im Künstlerhaus Dortmund zu Gast. Wie im vergangenen Jahr ist das Künstlerhaus die erste Station der Ausstellung, die danach noch in Koblenz und Hamburg gezeigt wird. Eine namhafte Jury hat die Preisträger:innen ausgesucht - teilnehmen an dem Wettbewerb konnten alle Studierenden der Fotografie ausschließlich mit ihren Abschlussarbeiten, die sie an einer qualifizierten deutschen Institution eingereicht haben.

Eröffnung

Max Dauven

"Die Serie "Assuming Control" ist eine fotografische Auseinandersetzung mit Internet-Memes und zeigt deren Versatzstücke, die physisch nachgebaut im Studio neu arrangiert und fotografiert wurden. Dabei werden Verweise auf verschiedene Kommunikationspraktiken der sozialen Medien und Internet-Plattformen gemacht und die eigene Ästhetik und Ikonografie von Memes betont. Die Arbeiten bilden eine Schnittmenge zwischen Fotografie, zeitgenössischer Kunstpraxis und Meme-Kultur und wecken beim Betrachten eine Erinnerung an visuelle Inhalte, die der Internet-Kommunikation entsprungen sind. Viele davon sind einfach zu entschlüsseln, andere sind nur mit Insider-Wissen zu verstehen und sogar die Hängung ist ein eigenes Meme." (Mara Elena Zöller)

www.maxdauven.de

Tamara Eckhardt

"St. Marys Park, auch unter dem Namen Island Field bekannt, wird als eine der am stärksten benachteiligten Gegenden Irlands angesehen. Ursprünglich als soziales Wohnprojekt geplant, ist die Gegend heute jedoch nicht nur geografisch durch die Lage auf einer Flussinsel des Shannon in Limerick abgeschottet, sondern auch sozial. Sie ist zu einer sich selbstverwaltenden Gemeinschaft geworden, die Außenstehenden misstrauisch bis wehrhaft begegnet. Die Arbeit „Youth of the Island Field“ gibt einen Einblick in die Lebenswelt der Kinder, die dort unter schwierigen Verhältnissen aufwachsen, mit Vorurteilen und einer gewissen Perspektivlosigkeit zu kämpfen haben." (Thomas Niemeyer)

www.tamaraeckhardt.com

Maximilian Gessler

"Die Intermediale Diplomarbeit "18 Diptychen der lichtbildnerischen Forschung" besteht aus den 18 Bildpaaren, einer Publikation und einer Webseite. Dabei hinterfragt sie mittels Experimenten die materiellen und technischen Grundlagen der Fotografie. Entstanden sind zumeist abstrakt anmutende Bilder, die sich den Rezipierenden oft erst durch die Bildtitel und den Begleittext erschließen. Dergestalt fällt der ausliegenden Publikation und der mittels QR-Codes verlinkten Webseite eine zentrale Rolle zu. Die Arbeit kann erst mithilfe des analogen Buches und/oder der digitalen Webpräsenz erfasst werden. Dabei entsteht durch das vorliegende Original, dem gedruckten und dem elektronischen Abbild eine mediale Dreiteilung. Wobei das Original, dem Lichtbild typisch, ein Abbild ist, und das gedruckte sowie das elektronische Bild, ein Abbild des Abbildes zeigen." (Carla Susanne Erdmann)

www.maxgessler.de

Alexander Kadow

"Die Werkreihe "The Individual Below" besteht aus Schwarzweiß-Kompositionen auf Grundlage von Röntgenbildern und digital generierten Interpretationen dieser. Die Arbeit thematisiert das Verhältnis des Individuums gegenüber Datensätzen, in welchen dieses als abstrahierte Form eingebettet ist. Zudem wird der Wirklichkeitsbezug bestimmter fotografischer Techniken untersucht. Röntgenbilder haben, trotz ihrer abstrakten Erscheinung, den Wert einer getreuen Abbildung der Wirklichkeit. Ein speziell für die Bildgenerierung entwickelter Machine Learning Algorithmus wurde mit hunderten von Röntgenbildern trainiert, um selbst, ähnlich den Röntgenaufnahmen, Bilder zu erzeugen. Die Kompositionen zeigen Montagen, die jeweils beide Elemente, die analogen sowie die generierten Bilder aufzeigen - erkennbar durch die unterschiedlichen Strukturen von Korn und Pixel. Die Bilder sind durchzogen von Grenzbereichen, oder Nähten, zwischen Digitalem und Analogem, vergangener und moderner Technik, Natürlichem und Virtuellem, Individuum und Masse." (Frauke Schnoor)

www.alexanderkadow.com

Natalia Kepesz

"Niewybuch (dt.: Blindgänger) nähert sich der Welt militärischer Camps und Uniform-Klassen, die in Polen in den letzten Jahren einen massiven Zulauf erfuhren. Neben der Vermittlung militärischer Grundlagen wird Kindern und Jugendlichen dort spielerisch Gehorsam und Patriotismus indoktriniert. Wie Spielfiguren wirken die Jungsoldat*innen, deren erstarrte Gesichtszüge jegliche Regung verbergen und damit die Frage nach den emotionalen Auswirkungen militärischer Erziehung aufwerfen. Zwischen Kunstblut, Drill und dem vorbehaltlosen Umgang mit Waffen wird das Spannungsfeld zwischen der kindlichen Suche nach Abenteuer und den Auswüchsen des polnischen Militärkults adressiert." (Katrin Seidel)

www.nataliakepesz.de

Fiona Körner

Die Ausgestaltung von Wohnräumen spiegelt unweigerlich die Familien- und Gesellschaftsstrukturen einer Zeit wider, woran sich das derzeitige Wohnideal sowie der persönliche Wohntraum von Menschen orientieren. Wir suchen einen Ort, der Individualisierung, Identifikation, Zugehörigkeit und Repräsentation ermöglicht. Der Immobilienmarkt versucht, auf diese Wünsche Antworten zu finden. Er ist alles andere als ein autonomes Gebilde, sondern Produkt sozialer, ökonomischer und kultureller Zusammenspiele. Da die meisten im Eigenheim noch immer ihr höchstes Wohnglück sehen, betrachte ich dieses komplexe System anhand von Musterhaus- Ausstellungen, in denen verschiedene Einfamilienhaus-Modelle von Fertighaus-Anbietern besichtigt werden können. Die darin installierten Einrichtungsgegenstände sollen es ermöglichen, sich das zukünftige Zuhause bestens vorzustellen, sich mit ihm zu identifizieren und es anschließend nachzubauen. Die Häuser stehen dort wie ein Lebensziel, ein Versprechen des Glücks, ein ideal und Superlativ. Die Arbeit „Shoes Can Change Your Life, Ask Cinderella“ untersucht die in Musterhäusern stattfindenden Normgebungsprozesse, bei denen deutlich wird, dass Wohnen mehr ist als eine individuelle Geschmacksfrage.

fionakoerner.tumblr.com

Vanessa A. Opoku

"Die Rauminstallation "Nichts als Solide" kann als Auseinandersetzung mit denjenigen Spuren verstanden werden, die Menschen in ihrer Umgebung hinterlassen, die sich in Landschaften und Orte eingebrannt haben und durch fotografische Mittel sichtbar gemacht werden können. In Konversation mit Gedichten der jüdischen Lyrikerin Mascha Kaléko und der afro-deutschen Dichterin May Ayim, die als Datensatz für eine künstliche Intelligenz dienen, entsteht ein Monolog, in dem sich ein neues, fiktives Lyrisches Ich formiert. Durch das Medium dieses virtuellen Wesens hindurch, welches aus einer gesellschaftlich marginalisierten Position spricht, stellt die Künstlerin nicht nur Fragen nach Identität, sondern beantwortet sie mit Selbstermächtigung, indem sie die von der KI generierten Aussagen und ihre eignen Worte in einen Kontext setzt, aus dem sich eine dezidierte Haltung ergibt." (Alex Leo Freier)

www.vanessaopoku.com

Zoyeon

"In ihrer Arbeit gelingt es Zoyeon, ein Gefühl zu erzeugen, das – für sie als Ausländerin – zwischen Erstaunen und Hilflosigkeit oszilliert. Zoyeon schlägt eine Brücke zu dem Bericht des Niederländers Hendrik Hamel, nimmtdie Betrachter*innen mit auf eine virtuelle Reise zu einer imaginären Destination, kompiliert aus zufällig gefundenen Bildern und KI-generierten Porträts." (Agathe Blume)

www.zoyeon.com