Seit 30 Jahren sorgt mex im Künstlerhaus Dortmund für sonore Überraschungen und hat dafür seither 700 Künstler:innen aus aller Welt eingeladen. Zum Jubiläum werden nun die Räume erneut mit Klanginstallationen und mehr gefüllt.
Die ausgestellten Arbeiten sind Experimente mit Scheibenwischern oder Winkekatzen, Plankton oder Plattenspielern und sie verblüffen auf unterschiedlichste Art und Weise. So wird hier Sonne zu Mond, ein Bürosessel bekommt Drehschwindel und Klänge aus der Arktis bekommen ein Gesicht. Im Rahmenprogramm wird es auch Konzerte und Aktionen geben, die für mex charakteristisch sind und mit der Ausstellung jedes Klangkunstherz höher schlagen lassen ...

Darsha Hewitt

Darsha Hewitt (CA/DE) ist bekannt für ihre Untersuchungen veralteter Haustechnik. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit stehen Klang und kritische Technologiestudien. Sie macht elektro-mechanische Klanginstallationen, Video, Zeichnung und Fotografie. Sie ist der Meinung, dass man viel über die Werte der kapitalistischen Kultur lernen kann, wenn man die Materialität der Maschinen, Prozesse und Praktiken der Technologie untersucht, die die Konsumgesellschaft wegwirft. In ihrer dekonstruierten Form legt die alltägliche veraltete Technologie die verwirrende Art und Weise offen, wie Menschen miteinander umgehen und wie wir mit der Ökologie umgehen. In ihrer Atelierpraxis verfolgt sie einen abenteuerlichen DIY-/Medienarchäologie-Ansatz, bei dem verborgene Systeme in der Technologie de-/re-mystifiziert werden, um die in der westlichen Kultur eingebetteten Strukturen von Wirtschaft, Macht und Kontrolle aufzudecken.
High Fidelity Wasteland II: The Protoplastic Groove (2021) ist das zweite Stück der High Fidelity Wasteland Trilogy - einer Reihe von klangorientierten Werken, die sich durch Generationen von sich zersetzendem Materialabfall der globalen Musikindustrie wühlen. In dieser Arbeit entwickelt ein Plattenspieler aus den 1950er Jahren die hörbare Zeitskala von Musik aus der Vergangenheit weiter und verstärkt und bewohnt die Verunreinigungen, Geräusche und biologischen Ursprünge von Schellackplatten - dem Vorläufer von Vinyl, wie wir es heute kennen. Anstatt diese klassischen Kompositionen schnell mit der Standardgeschwindigkeit von 78 Umdrehungen pro Minute zu drehen, verlangsamt dieses Werk alles auf nur 16 Umdrehungen pro Minute und dehnt den Klang zu einer umfassenden, düsteren Landschaft aus. 
Mit Unterstützung des Deutschen Phonomuseums, ermöglicht durch einen Aufenthalt im Kunstverein Global Forest in St. Georgen im Schwarzwald.
Die Produktion wurde außerdem durch das Programm der Europäischen Medienkunstplattform von KONTEJNER | bureau of contemporary art praxis ermöglicht. 
Die Präsentation in Dortmund wird freundlich unterstützt von der European Media Art Platform (EMAP), kofinanziert von der Europäischen Union.

www.darsha.org

Jan van IJken & Jana Winderen

Planktonium ist ein Kurzfilm über die unsichtbare Welt des lebenden mikroskopischen Planktons. Es ist eine Reise in ein geheimes Universum, das von außerirdischen Lebewesen bewohnt wird. Diese atemberaubend schönen, sehr vielfältigen und zahlreichen Organismen sind den meisten von uns unbekannt, weil sie für das bloße Auge unsichtbar sind. Sie wandern jedoch unter der Oberfläche aller Gewässer um uns herum und sind für alles Leben auf der Erde von entscheidender Bedeutung.
Jan van IJken hat das Plankton durch seine Mikroskope gefilmt und dabei die Schönheit und die filigranen Strukturen der winzigen Organismen bis ins kleinste Detail sichtbar gemacht. Der Film kommt ohne Off-Stimme und Erklärungen aus.
Die renommierte norwegische Künstlerin Jana Winderen hat für den Film eine Klangkomposition angefertigt. Sie nimmt akustische Umgebungen und Lebewesen auf, die für den Menschen schwer zugänglich sind, sowohl physisch als auch akustisch - tief unter Wasser, im Eis oder in Frequenzbereichen, die für das menschliche Ohr unhörbar sind.
Phytoplankton (kleine pflanzenähnliche Zellen) produziert die Hälfte des gesamten Sauerstoffs auf der Erde durch Photosynthese, wie es Pflanzen und Bäume an Land tun. Das Zooplankton bildet die Basis der Nahrungskette des aquatischen Lebens. Das Plankton spielt auch eine wichtige Rolle im globalen Kohlenstoffkreislauf. Das Plankton ist durch den Klimawandel, die globale Erwärmung und die Versauerung der Ozeane bedroht.
Film, Regie und Produktion: Jan van IJken
Klangkomposition: Jana Winderen
Schnitt: Jan van IJken und Metje Postma
Produziert mit großzügiger finanzieller Unterstützung von Gemeente Leiden, Nederlands Film Fonds und Stichting Oog op de Natuur

www.janvanijken.com

www.janawinderen.com

Olsen

Meine Arbeiten sind Untersuchungen an der Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine. Einen besonderen Fokus lege ich dabei auf die Technologien des Alltags, mit denen man ständig konfrontiert wird und die unser menschliches Dasein, unsere Vorlieben und Verhaltensmuster bestimmen. Beispiele sind das Öffnen des Kofferraums per Knopfdruck, der automatische Raumbedufter oder auch der Rasenmäherroboter. Bei all diesen Beispielen handelt es sich um Automaten – Maschinen bzw. Computer – die mit Hilfe von Programmierungen bestimmte Tätigkeiten für den Menschen erledigen. So kann Technologie als die Anstrengung verstanden werden, dem Mensch Anstrengung zu ersparen.
Die Installationen, Roboter und Apparate, mit denen ich mich beschäftige, selber entwerfe und konstruiere, sind jenseits von funktionaler und rationaler Logik von Technologie positioniert. So zum Beispiel Newton’s Buddha ein von einer Winkekatze in Schwung gehaltenes Perpetuum Mobile, Uruca Caliandrum, ein Roboter-Haarbürste, welche sich kriechend Richtung Sonnenaufgang bewegt, Düsen nach Jägerart, ein besessener Chefsessel, der sich um sich selber dreht, Definitions of the Undefined, eine Enzyklopädie, in welcher Definitionen von UFOs aus verschiedenen Enzyklopädien weltweit zusammengetragen wurden, oder Kruzifix, du weißt schon… ein gekreuzigter Roboter, welcher Korrelationen zwischen Theologie und Technologie aufzeigen soll bzw. künstlich intelligente Roboter zum Christentum bekehrt.
Inspiriert von Charles Fords witzenschaftlicher Weltbetrachtung, baue ich mit einer humoristischen Herangehensweise Kreaturen und Apparatusse, welche den Schlaf der wissenschaftlichen Vernunft stören und Denkfiguren des technologischen Determinismus, wie sie zum Beispiel in der Idee der technologischen Singularität zutage treten, an den Füssen kitzeln. Humor und Witz als eine Form des Widerstandes gegen den Funktionalismus der Lebenswelt im „praktischen“ Sinne. So gesehen sind meine Arbeiten poetische Tastversuche jenseits sinnvoller Logik, Bemühungen, die faktische Wirklichkeit im Leerlauf ihres ferngesteuerten Automatismus zu liquidieren, in der Hoffnung, dass sie entgegen der Herrschaft des Zweckes oder genauer der Subordination unter die Nützlichkeit Fragen stellen, denn fraglos ist das Unnütze angefressen.

www.olsen-wolf.de

Pfeifer & Kreutzer

Pfeifer & Kreutzer sind ein konzeptionell arbeitendes Künstler:innenduo. 
Ihre künstlerische Arbeit bewegt sich in unterschiedlichen Medien von Klangobjekten, kinetischen Installationen, Videos bis hin zu Mixed-Media-Installationen. Die Künstler:innen hinterfragen mit ihren Kunstwerken Erwartungen, Wahrnehmungs- und Erkenntnisprozesse. Dabei brechen sie minimalistische Formsprache durch Bewegung auf, spielen mit dem Unerwarteten oder trotzen der Schwerkraft.

www.pfeiferkreutzer.com

Joanna Schulte

"In „Stereo twice“ (dt.: zweimal Stereo) stehen sich zwei Musikmöbel aus den 1960er-Jahren gegenüber. Auf den Plattentellern dreht sich „Give Me Your Love“, eine Hit-Single aus den 1980er-Jahren von Frank Duvall. Der musikalische Inhalt ist jedoch zweitrangig, denn die beiden Tonarme sind so manipuliert, dass immer wiederkehrend ein und dieselbe Stelle wiederholt wird. Auf analoge Weise entsteht dasselbe, was sonst elektronisch durch das Mixen von Samples entsteht: ein unbestimmter Beat, der durch die Verwendung von zwei Stereo-Klangquellen eine Raumwirkung erzeugt. Je nachdem, wo sich der Besucher im Raum befindet, findet eine Klangverfärbung statt: So erscheinen die beiden Beats teilweise synchron, um sich im nächsten Moment zeitlich und räumlich voneinander zu entfernen und sich dann wiederzufinden. Die Klangarbeit verweist durch die Verwendung des Loops einerseits auf die Wiederholung als einem der elementarsten Bestandteile von Musik und gleichzeitig auf die Unmöglichkeit der vollkommenen Gleichheit des Wiederholten an sich." (Jennifer Bork)

www.joannaschulte.de

Vera Vorneweg

Die Schriftstellerin Vera Vorneweg wurde 1985 in Mülheim an der Ruhr geboren und lebt in Düsseldorf. Studium der Sozialen Arbeit und Philosophie. Zahlreiche Veröffentlichungen in Anthologien und Zeitschriften sowie in öffentlichen Räumen. Ihr Debüt „Kein Wort zurück“ ist soeben in der Edition Muschelkalk im Wartburg-Verlag erschienen.
Diverse Ausstellungen und Lesungen, u.a. im Stadtmuseum Lüdenscheid, in Erfurt und Düsseldorf. Verschiedene Preise und Stipendien, z.B. Harald-Gerlach-Preis, Stipendiatin „Künstler*innen im ländlichen Raum“, 1:1 Mentoringprogramm mit Marion Poschmann, Künstlerstipendium NRW und Künstlerdorf Schöppingen.

mextensions

2020 gab es aufgrund Corona kein einziges mex-Konzert, aber dafür einen feinen Sampler auf Vinyl, Kassette und CD. Im Jahr 2021 waren es anfänglich recht wenige Aussichten, dass sich das ändern könnte, daher begannen wir bei mex uns etwas neues auszudenken und kamen auf die Idee, 15 internationale KünstlerInnen zu einem Kettenfilm einzuladen. Als die Besetzung fest stand, fing Tina Daurova (RU/DE) mit einer Sequenz an, die anschließend Tim Huys (DE) bekam. Der drehte weitere 3 Minuten dazu und schickte es an Lena Czerniawska (PL), die dann den Film fortfuhr. Im Anschluss entwickelten Pablo Paredes (CL/D), Tatsuru Arai (JP), Stefan Demming (DE), Oren Banai (IL/NL), Aí­da Rebull (MX), Achim Zepezauer (DE), Vera Vorneweg (DE), Wei Kang Beh (MY), Tina Dunkel (DE), Anna Lytton (DE), Jessica Arseneau (CA) und Malte Jehmlich (DE) auf ihre Weise das Projekt in Bild und Ton immer weiter. Und nach drei Monaten war ein 45-minütiger Film fertig, der eine wunderbar facettenreiche und unvorhersehbare Geschichte erzählt.

www.mexappeal.de