Streichen, Kratzen, Schlagen, Zupfen, Scharren, Blasen, Imaginieren - die Entstehung von Klängen durch mechanische Prozesse steht im Fokus dieser Ausstellung. Die Künstler:innen untersuchen den Klang als skulpturales Medium, beschäftigen sich mit Aspekten der auditiven Wahrnehmung und reflektieren die ästhetischen und konzeptuellen Möglichkeiten klangerzeugender Objekte im Raum.   
Werkzeuge sind unter anderem Arduinos, Sensoren und Motoren, aber auch Wasser und Luft. Einzig Lautsprecher sind nicht erlaubt.   
Die Ausstellung findet in Kooperation mit dem Sound-Bereich der Kunsthochschule für Medien Köln statt.

Jeongan Choi

Die Arbeit entstand aus Überlegungen zur Beziehung zwischen dem Akt des Papierreißens, den dabei entstehenden Klängen und den Bildern, die durch diese Handlung geformt werden. Beim Betreten des Raums ermöglicht ein sichtbarer Papierstapel den Besucher:innen, mit dem Papier zu interagieren, indem sie den gezeichneten Linien folgen und dabei unterschiedliche Kraft und Richtungen anwenden. Obwohl bestimmte Vorgaben existieren, erzeugt jeder einzelne Reißvorgang eigene Klänge und Formen, geprägt durch Unterschiede in Druck und Geschwindigkeit.
Die entstehenden Papierformen werden Teil eines größeren Ganzen, behalten dabei jedoch ihre Individualität. Je nach dem Bild, das man erhält, kann das zerrissene Papier in eine Tasche gelegt oder auf den Boden geworfen werden und setzt so eine weitere Kette vermittelter Zufälligkeit in Gang.

www.jeonganchoi.com

www.instagram.com/annchoiiiiii

hans w. koch

Zwei Haartrockner, deren Lüftungsöffnungen mit Gummihandschuhen verstopft sind, blasen, bis ihr Überhitzungsschutz sie abschaltet. Sobald sie abgekühlt sind, beginnen sie erneut zu blasen. Ihr individueller Rhythmus führt zu einem Handschlag in unregelmäßigen Abständen von etwa 1 ½ Stunden.

www.hans-w-koch.net

Kyuwon Moon

Ear Trumpet ist eine partizipative Skulptur, inspiriert von der Beobachtung, dass ältere Menschen manchmal ihre Stimmen erheben. Mit abnehmendem Gehör im Alter erhöhen sie oft unbewusst ihre Lautstärke, um sich selbst besser hören zu können. Die Arbeit untersucht, wie Vokalisationen unterschiedlicher Intensität eine hörbare Präsenz erzeugen. Das Publikum kann in der kugelförmigen Struktur von Ear Trumpet erleben, wie seine Stimmen resoniert und den Raum füllt.

www.moonkyuwon.com

www.instagram.com/moon_kyuwon

Samuels Ozoliņš

Im Lettischen Folklorearchiv sind über 19.000 lettische Zaubersprüche erhalten. Mündlich überliefert und vererbt, wurden sie zur Heilung von Menschen und Tieren, zum Schutz und zur Anziehung von Glück verwendet. Mit der Verbreitung der Lese- und Schreibfähigkeit in Lettland – stark beeinflusst durch die Herrnhuter Missionare – entstanden auch schriftliche Traditionen. Dazu gehörten die Debesu grāmatas (Himmlische Bücher): handkopierte Sammlungen von Zauberworten, biblisch inspirierten Texten, magischen Buchstaben- und Zahlenkombinationen sowie volksmedizinischen Rezepten. Diese DIY-Grimoires aneigneten christliche Symbolik an und verbanden religiöse Motive mit lokalen Glaubensvorstellungen. Sie wurden im Haus verborgen oder als Schutz bei sich getragen und heimlich durch Abschreiben weitergegeben.
In dieser Arbeit wird die christlich-katholische Tradition des Hausaltars aneignet, indem die Altäre aus gefundenen und abgenutzten Materialien hergestellt und das Kruzifix durch einen Puzuris (Himmeli) und eine Notiz mit Zauberworten ersetzt wird. Diese Zauber, die gegen alle Leiden eingesetzt werden, sollen nur wirken, wenn sie laut ausgesprochen werden, oder können auch als Schutz bei sich getragen werden. Die Zettel dürfen von den Besucher*innen geöffnet, gelesen und/oder aufgeschrieben werden. Bitte verwenden Sie sie mit Vorsicht und lassen Sie sie dort, wo Sie sie gefunden haben.

www.instagram.com/samuelsozo

Yiran Qi

Während einer Live-Performance wird Eis als Körper präsentiert, der von Metall durchbohrt ist. Während das Eis kontinuierlich schmilzt, fällt das darin eingebettete Metall Stück für Stück ab. Der Klang verschwindet während dieses Prozesses allmählich. Man hört zu, wie der Körper in Vergessenheit gerät, und stellt sich das Verschwinden des Klangs vor. Nach der Performance präsentiert die Ausstellung ihre Überreste: Fotos der Performance, prozessbezogene Materialien und imaginative Tonaufnahmen. Diese Überreste reproduzieren nicht die Performance, sondern verweisen auf einen Zustand, in dem etwas einst vorhanden war und nun fehlt. Die Arbeit konzentriert sich auf die Beziehung zwischen dem Unsichtbaren, dem Körper und der Erinnerung.

Esther Rosiny-Wieland

Mithilfe mehrerer nicht sichtbarer ESP32-Module drehen sich die Papiertüten mal einzeln, mal zusammen um die eigene Achse. Der Klang des Papiers ist leise und ist abhängig von der Position der Papiertüten auf den Sockeln.

8 Ω LESS

Klangkunst ohne Lautsprecher

31. Januar - 15. März 2026

Preview / Kurator:innenführung
Freitag, den 30. Januar, 17.30 Uhr

Eröffnung
Freitag, den 30. Januar, 19 Uhr

Künstler:innen:
dennis aycicek 
Yue Cao 
Jeongan Choi 
Bella Comsom   
Karen Fritz 
Justus Kaufmann 
hans w. koch 
Kyuwon Moon 
Samuels Ozoliņš
Yiran Qi
Esther Rosiny-Wieland 
Tina Tonagel 
Farah Wind

Kurator:
Ach Kuhzunft in Kooperation mit dem Sound-Bereich der Kunsthochschule für Medien Köln

Titelgrafik: Jeongan Choi & dennis aycicek
Abbildungen Werke: © die Künstler:innen

Sound Perfomance
Samstag, den 21. Februar, 20 Uhr

Freundlich unterstützt durch:
Kulturbüro Dortmund, Bergmann Bier

Ausstellungsbegleitender Workshop

Motorbetriebene Konservendosen-Kalimba
Workshop mit Ralf Schreiber
8. Februar, 12 Uhr