Die Gruppenausstellung Ortsbohrungen widmet sich der künstlerischen Erforschung von Orten – im wörtlichen wie im übertragenen Sinn. Ausgangspunkt ist die Bohrung als Metapher und Handlung: als Eindringen in Schichten von Raum, Geschichte, Erinnerung und Materialität. Die beteiligten Künstler*innen reflektieren in ihren Arbeiten die Möglichkeiten und Bedingungen, sich einem Ort zu nähern. Dabei werden sowohl invasive Gesten als auch sensible Annäherungen an die verborgenen Dimensionen eines Ortes befragt und thematisiert.
Statt Orte zu besetzen oder Spuren zu hinterlassen, suchen die Arbeiten die Verbindung zu einer Umgebung. Sie horchen, tasten und reagieren auf räumliche, soziale und historische Gegebenheiten. So entstehen komplexe Auseinandersetzungen mit Landschaften, Architekturen und Erinnerungsräumen, die unter der sichtbaren Oberfläche verborgen liegen. Ausgehend von Ernst Kapps Organprojektionsthese – der Vorstellung, dass technische Werkzeuge Projektionen menschlicher Körperlichkeit sind – fragt die Ausstellung danach, was sich im Akt des Bohrens projiziert: Wissen, Kontrolle, Verletzung, aber auch Neugier und Empathie.
Ortsbohrungen versteht künstlerische Praxis als beharrliches Fragen und Freilegen verborgener oder übersehener Begebenheiten von Orten. Die Ausstellung lässt dadurch Räume nicht länger als reines Objekt erscheinen, sondern lässt diese als aktiven und eigenständigen Akteur präsent werden. Das Künstler*innenhaus Dortmund bildet dafür einen idealen Rahmen: selbst ein Ort mit vielen Schichten – industriell, sozial und kulturell geprägt.

Arhun Aksakal

Arhun Aksakals künstlerische Praxis umfasst Film, Skulptur, Zeichnung, Sound und Performance. Seine Arbeiten verfolgen die Nachwirkungen von Zivilisation, Migration und Erinnerung, sichtbar im Zerfall, Zerstörung und in der Neuordnung von Architektur, Infrastruktur und Landschaft.

www.instagram.com/arhunaksakal

Schirin Kretschmann

Schirin Kretschmann arbeitet mit performativen Gesten und malerischen Eingriffen. Ihre Arbeiten begreifen Architektur als aktiven Körper, in dem Wahrnehmung, Material und Erinnerung in instabile Prozesse von Transformation und Entzug übergehen.

www.schirinkretschmann.de

Alexandra Leykauf

Alexandra Leykauf entwickelt raumbezogene Installationen, die sich sensibel auf architektonische und soziale Gegebenheiten beziehen. Ihre Arbeiten entstehen oft aus Rechercheprozessen und setzen sich mit dem Spannungsfeld von Ort, Erinnerung und Nutzung auseinander.

www.alexandraleykauf.com

Lukas Marxt

Lukas Marxt arbeitet mit Film und dokumentarischen Strategien an der Schnittstelle von Landschaft, Politik und Ökologie. In seinen Arbeiten untersucht er, wie Umweltkrisen, Ressourcenpolitik und Machtverhältnisse ineinandergreifen und Landschaften zu politischen Handlungsräumen werden. Durch langfristige Recherchen und enge Zusammenarbeit mit lokalen Akteur:innen entstehen Filme, die ökologische Prozesse mit sozialen und politischen Dynamiken verknüpfen. Marxts Arbeiten machen sichtbar, wie Krisen neue Formen von Kontrolle, Ungleichheit und Aushandlung hervorbringen.

www.lukasmarxt.com

Martin Schepers

Martin Schepers beschäftigt sich malerisch mit unterirdischen Räumen, geologischen Schichten und verborgenen Strukturen. Seine Bilder thematisieren das scheinbar Unsichtbare und verhandeln Malerei als Prozess des Freilegens und Verdichtens.

www.martinschepers.de

Kathrin Sonntag

Kathrin Sonntag untersucht in ihren fotografischen Installationen Wahrnehmungsprozesse und das Verhältnis von Bild, Raum und Realität. Ihre Arbeiten oszillieren zwischen dokumentarischer Präzision und konzeptueller Setzung und hinterfragen die Objektivität fotografischer Bilder.

www.kathrinsonntag.net

Ortsbohrungen

16. Mai - 28. Juni 2026

Preview / Kuratorinnenführung
Freitag, den 17. Mai, 17.30 Uhr

Eröffnung
Freitag, den 17. Mai, 19 Uhr

Künstler*innen:
Arhun Aksakal
Schirin Kretschmann
Alexandra Leykauf
Lukas Marxt
Martin Schepers
Kathrin Sonntag

Kuratorin:
Dr. Pia Wojtys

Titelgrafik: Lea Szramek
Abbildungen Werke: © die Künstler*innen

Freundlich unterstützt durch:
Kulturbüro Dortmund, Bergmann Bier